Mittwoch, 28. Januar 2015

*knockout*

2 Tage Zwangspause. 
Eine kleine (geplante) Bauch-OP (LSK) gestern früh. Seit heute vormittag bin ich schon wieder zu Hause. 
Zwieback essen und doof rumliegen kann ich ja auch hier. Ausserdem muss in den kommenden Tagen auch ziemlich viel final entschieden und ausgesucht werden.



Am Montag war nämlich endlich unser Termin für die Werksplanung beim Hausbauer.

3 Stunden lang haben wir festgelegt, welche Fenster, Türen, Bodenbeläge, Dachpfannen, Armaturen, Türgriffe, Treppe usw. eingebaut werden sollen.
Zu einigen Punkten müssen wir uns nochmal eingehender Gedanken machen, die lassen wir noch offen, aber größteteils steht die Planung nun.

Mein persönlicher Albtraum ist das Festlegen der Steckdosen, Leitungen für die Beleuchtung und Lichtschalter. Nicht zu wenig ist die Prämisse und man muss sie auch wirklich schlau planen.
Bei uns allesamt technikaffinen Bewohnern heißt das: eher zuviel als zuwenig.

Sobald wir die exakten Raummaße von unserem Architekten haben, planen wir die Küche.
Entweder werden wir unsere (erst 1 Jahr alt) mitnehmen und erweitern oder sie wird dem hiesigen Nachmieter verkauft und wir kaufen *schluck* nochmal eine neue. (Wer braucht denn schon eine Garage oder bereits im ersten Jahr einen schicken Garten...)




Am Freitag bekommen die Rüben ihre Zeugnisse und haben dann Winterferien.
Sie sind schon sehr aufgeregt, denn ich hole sie ab und sie werden eine Woche lang hier sein.
Wir freuen uns sehr!

Eine ganz tolle Überraschung war vorgestern noch die Nachricht, dass unsere alten Hamburger Nachbarn, die kurz nach uns Hamburg verließen, nach langen Jahren weit weg von uns in Bremen und Lahr (Schwarzwald) nun im kommenden Sommer durch Jobwechsel ganz in unsere Nähe ziehen werden. Ich bin total glücklich darüber, teilen meine Freundin und ich doch schicksalhaft sehr viel Gemeinsames - von vier Jahren Au Pairs über Getrennt-von-den-Kindern bis hin zum Unijob.
Statt 8 Stunden Autofahrt demnächst also nur noch 30 Minuten. HURRAAA!!!


Darauf stoßen wir doch an! :) *pling*










Dienstag, 20. Januar 2015

Gleich zwei Geburtstage

Am vergangenen Samstag habe ich meinen Geburtstag gefeiert. 



Der Herzbube hat die aus Spaß gekauften Kerzen vom Vorjahr genommen und sie mir nochmal auf den Geburtstagskuchen gesteckt. 
Der Charmeur. :)



Wir frühstückten spät und ausgiebig und machten mit Schwester und Schwager bei strahlendem Sonnenschein und trockener Winterkälte einen schönen Ausflug zu zwei sehenswerten Ausflugszielen ganz nah an Detmold: dem großen Hermannsdenkmal - das ich von unserem Balkon sehen kann - und zu den Externsteinen, überaus beeindruckenden Felsformationen mitten im Wald.





Das Besondere an diesen Felsen ist nicht nur ihre bloße Existenz an einem Ort, an dem man sie nicht vermutet, sondern auch ein Relief, das Wissenschaftlern jahrhundertelang und sogar einst dem großen Goethe Rätsel aufgab. 
Vermutlich entstand es wohl im 9. Jahrhundert n. Chr.

Ein Teil des Reliefs zeigt eine biblische Szene.




Ich spreche hier auf diesem Blog fast nie über Gott und Glauben. 
In einen Nähblog gehörte es für mich auch nicht wirklich hin.

Es ist im Detail dann doch privat.

Eine etwas ausführlichere Ausnahme mache ich heute, denn dieses Wochenende war doch sehr sehr besonders.

*******

(Wer daran kein Interesse hat, der hat jetzt die Möglichkeit das Browserfenster zu schliessen. :) )

*******

Auf diesem Relief also sieht man eine biblische Szene, in der Nikodemus - ein Jünger Jesu - mithilft, Jesus vom Kreuz abzunehmen, der dort gekreuzigt wurde und starb.

Vor 24 Jahren bekam ich zum Geburtstag eine CD mit Musik von Johannes Nitsch geschenkt. Sie hieß "Begegnungen". Auf dieser CD hat mich ein Stück besonders berührt. Es hieß "Nikodemus". Den Text kann ich bis heute mitsingen.
Es ist heute ganz und gar nicht mehr die Art Musik, die ich höre, aber damals ging mir dieses Stück musikalisch und inhaltlich sehr nah.

Über Nikodemus weiß man nur sehr wenig. In der Bibel steht, dass er ein sehr kluger Mensch war, mit wichtigen Ämtern, ein Mann, den viele um Rat fragten.
Dann begegnet Nikodemus Jesus und ist fasziniert von allem, was er tut und sagt und möchte von ihm lernen. Er hat viele Fragen.
Noch bevor er überhaupt eine seiner Fragen stellen kann, spricht Jesus zu ihm über den Glauben und Geburt, neu geboren zu werden und einiges anderes.

Dieses Relief zu sehen hat mich bei unserem Spaziergang ganz besonders fasziniert, denn am Tag darauf habe ich mich taufen lassen.

Ein viele Jahre gehegter Herzenswunsch, den verschiedene Umstände haben lange nicht zustande kommen lassen. Im Nachklang wird mir allerdings klar: kein Zeitpunkt hätte passender sein können als der Jetzige.




Von meiner Taufe hatte ich ganz klare Vorstellungen: 

Ich selbst bestimme Zeit und Ort. 
Ich suche den Pastor oder die Pastorin aus, der/die mich tauft. 
Ich wähle die Paten. 
Ich plane den Ablauf. 
Ich entscheide, mit wem ich diesen persönlichen Moment teile.

Meine Taufe am Sonntag war eine klare, sehr bewusste Entscheidung. 
Ich habe entschieden, dass ich das jetzt und auf diese Art und Weise so möchte. 
Niemand hat mich gedrängt oder bekehrt, niemand hat mich überredet, überzeugen wollen oder es von mir erwartet.

Wer schon länger mitliest, weiß, es ist in den vergangenen Jahren irre viel passiert, was mein Leben und das Leben der Rüben ziemlich durcheinander brachte. 

„Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein. Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten.“ Sprüche 2:10-11

Meinen Taufspruch weiss ich seit 20 Jahren. Auch ihn habe ich ausgesucht, weil er für mich damals wie heute große Bedeutung hat.

Getauft wurde ich in einer wunderschönen Kirche, eine gute halbe Stunde Autofahrt von Detmold. 
Evangelisch-reformiert. Das war mein Wunsch.
Reformiert heißt, sie ist schlicht und auf das Wesentlichste reduziert. 
Es gibt keinen Altar, keine goldgerahmten Bilder, keinerlei Symbolik.
Dinge, die ich auch nicht brauche, um eine Vorstellung von Gott zu haben. 



Der Taufgottesdienst fand ganz allein für uns statt. Nur wir. Ohne weitere Zuschauer. 
So wollte ich es. Konzentriert auf das Wesentliche.
Jeder Moment war sehr bewegend und ich werde diesen Tag nie mehr im Leben vergessen.

*******

Auch weiterhin bleibt dies vordergründig ein Nähblog. Aber ich erlaube ein paar wenige Ausflüge rechts und links über den Zuschneidetisch. :) 





Montag, 12. Januar 2015

Das Jahr der Projekte

Fast 2 Wochen ist es jung, das neue Jahr.
Genauer gesagt 12 Tage. Aber heute gibt es kein 12 von 12 von mir, sondern was anderes. :)

Ich war noch nie Freund von diesen abgedroschenen Vorsätzen, die alle Jahreswechsel wieder durch die Gazetten und das Social Web spuken. Mehr Lesen, mehr Sport, abnehmen, mehr Zeit mit Mann/Kind/Eltern/BFF, ...

Ich bin eher eine Freundin von Inspirationen. Schon immer. Ich sehe was, das gefällt mir, das will ich auch probieren. Vielleicht. Ich merke es mir oder - in letzter Zeit - schreibe es auf. Dann probiere ich es. Oder halt nicht. 

Wie zum Beispiel das hier:


Dazu später mehr.


Unser großes Projekt für das Jahr 2015 mit der Nummer 1 ist natürlich unser Hausbau. 

Bisher wurde entworfen, verworfen, besprochen, geplant, ausgefüllt, und kurz vor Weihnachten der große Kredit bewilligt.

Aber: die Grundstücksbesitzerin will das für zwei Bauplätze gedachte Gesamtgrundstück auch nur gesamt verkaufen. Das heißt: wir warten seit Wochen, nein: seit Monaten mit scharrender Hufe darauf, daß wir anfangen können zu bauen. Die Dame ist leider ganz und gar nicht zu überreden, unsere 2/3 des Landes anteilig zu veräußern. No way. Sehr sehr blöd. Also warten wir und beten, daß wir Plan B und C nicht bemühen müssen. Dazu später mal mehr.

Großprojekt Nummer 2 ist der Umzug der Rüben aus dem Berliner Umland zu uns nach Ostwestfalen/NRW. Ja: Schulwechsel von 5. Klasse Grundschule ist sehr sehr doof!
Wir bereiten ihn seit vielen Monaten gemeinsam mit ihnen und ihrem Vater und ihren Lehrern vor.
Wir haben eine Schule gefunden, die ihnen wirklich sehr gefällt, sie hatten mit der ganzen großen neuen "Stief-Familie" einen sehr gelungenen Dänemark-Urlaub im Sommer, sie haben den Hausentwurf mitgestaltet und mit jedem Besuch hier werden sie vertrauter mit ihrer neuen Stadt.

Mein persönliches Mega-Projekt (Nummer 3) ist natürlich der Lehrauftrag an der Hochschule, der im März beginnen wird. Etwas, was ich nie zuvor gemacht habe und vor dem ich größten Respekt habe, auf das ich mich aber auch sehr sehr freue.

Seit Wochen lese ich mich in die Tiefen der Stimmbildung, Gesangspädagogik und Didaktik ein, schreibe Vorlesungsskripte, überarbeite sie, bestelle Bücher und heute wird es sogar ein neuer Rechner, denn meiner ist kürzlich zerbrochen (Ja, sowas geht!) und nicht mehr transportfähig. Örks!



Zwei ganz persönliche Projekte habe ich mir für 2015 erkoren. 
Eins davon spontan, das andere geistert schon etliche Jahre in meinem Kopf herum.

Das spontane persönliche Projekt (Nummer 4) ist ein Sparplan. 
Gefunden habe ich ihn durch Ursula Markgraf auf dem Blog von Uta Nimsgarn.

Der Plan? Man spart ein Jahr lang die Wochenzahl in ein Glas. 
Also: Woche 1 = 1€, Woche 2 = 2€, usw. 
Am Jahresende hat man 1.378€ im Glas.
Und das ganze Jahr über kann man sich schonmal überlegen, was man mit dem gesparten Geld machen möchte. 

Spannend daran finde ich die Idee dahinter: sich langsam an eine Thematik herantasten.
Es ist wie beim Sport oder einer Ernährungsumstellung: der sanfte Einstieg ist am nachhaltigsten.
Ich finde es deshalb für mich genau richtig und sehr motivierend.
Für Kinder geht das auch. Natürlich mit weniger Geld.
Fängt man mit 25 Cent in Woche 1 an, ergibt das am Jahresende immerhin stolze 344,50€.



Das andere und letzte persönliche Projekt (Nummer 5) ist eins, mit dem ich nach und nach viele gescheiterte Projekte der vergangenen 20 Jahre ausgleichen kann. Klingt komisch? Ist es gar nicht.
Gefunden habe ich es hier.


Mich begeistert diese gestrickte Decke aus Wollresten so so so so sehr, daß ich mich nun endlich daran gesetzt habe. Schon vor 20 Jahren habe ich zum ersten Mal Sockenwolle gekauft, später von meiner Großmutter welche geschenkt bekommen, das Stricken angefangen, aufgeribbelt, nochmal begonnen, an der Ferse gescheitert und liegengelassen. Eine große Tüte Wollreste hat sich gesammelt im Laufe der Zeit.


 Am Wochenende ging es los. Ich besuchte meine Busenfreundin Expresso, kaufte schnell noch die passende Nadelstärke und strickte bei ihr im muckeligen Wohnzimmer munter drauflos. Quatschen, stricken, Tee trinken - die absolute Tiefenentspannung über 2 Tage. Gell, Hase? :)


Inzwischen sind 6 weitere Quadrate fertig und ich bin ganz froh, etwas gefunden zu haben, was ich überall mit hinnehmen kann.
Heute saß ich von 9-13 Uhr in verschiedenen Wartezonen eines Klinikums (Nix Schlimmes!) und konnte sehr geduldig warten - und stricken. :)

Übrigens habe ich neulich "zwischen den Jahren" einen sehr sehr schönen Wolle-Shop gefunden: WOLLEN Berlin
Anfang Februar bin ich wieder in Berlin und werde mal reinschauen. Wer nicht in Berlin wohnt und auch nicht nach Berlin kommt, der kann online bestellen. 
Einen Blog haben sie auch und - was ich ganz toll finde - sie verkaufen auch komplett Sets zum Selbermachen, die bisher die Schönsten sind, die ich je gesehen habe.

Und jetzt melde ich mich ENDLICH bei Ravelry an. Jawoll!

Ach, Frau...äh.. Mutti häkelt seit Neuestem. Schon gelesen? :) Yeah!

Eine gute Woche für alle! 


Mittwoch, 26. November 2014

Retro Christmas

Heute habe ich die Kartons mit der Weihnachtsdeko aus der Versenkung geholt.
Jedes Jahr kommt ein neues Stück, manchmal mehrere, hinzu.
Schon im letzten Advent sollte es nichts Gekauftes sein, sondern etwas Selbstgemachtes

In diesem Jahr sind es neue Anhänger für den Baum und Geschenke.
Da weder Baum steht (erst am 23.) noch Geschenke eingepackt (wahrscheinlich auch erst am 23.) sind, 
dürfen die wunderschönen Anhängerlis mit zur Deko.

Entworfen hat sie wieder Nette von Regenbogenbuntes.

3 Motive, die man unterschiedlich sticken kann - appliziert oder ausgestickt.
Durch die bunte Anordnung kann man wild drauflosticken und jedes Mal sieht es anders aus.
Ganz besonders toll - DANKE NETTE! - sind die Sammeldateien, mit denen man gleich 3 Anhänger in einem Rahmen sticken kann.

Da ich noch etliche solcher fast leeren Garnrollen haben, die für kaum mehr als ein kleines Motiv reichen, 
waren die Dateien mit den kleinen bunten Punkten und Ornamenten genau richtig.




Ganz toll sind auch diese Geschenkanhänger. Gleich mit Öse zum Anhängen. 




Meine Silberglitzer- und Goldglitzergarne haben sich sehr gefreut, endlich mal wieder in die Maschine zu dürfen. :)



Die Rüben wünschten sich was mit NEON-Farben. Bitte sehr. Hihi.


Die wunderbar digitalisierten Dateien RETROCHRISTMAS gibt es ab heute hier.


Danke, daß ich nach Ewigkeiten mal wieder probesticken konnte.
Hat total Spass gemacht und die Maschine geht die nächsten Tage erstmal nur morgens an und spät abends wieder aus! :)


Mittwoch, 12. November 2014

12 von 12 im November

Frühstück

Schreibtischarbeit

Die letzten Tomaten

Von Oma gelernt: nichts verschwenden!

Terassenkaffee. Warm draußen!

OBS! ;)  Bio-Tüten 2006 aus Dalarna mitgebracht. Sehr viele! Reicht noch immer. *staun!*

Unterrichten.

Selber üben.

Tipp von Frische Brise umsetzen. Fotoadventskalender gestalten.

Lieblingsbratlingerezept. Vegetarisch.

Abendessen. Bratlinge, Linsen irgendwas, Mango Chutney.

Socken stricken. Pfälzer Erlenwein trinken. Gute Nacht. 


Mehr 12 von 12 gibt es bei Caro. :)
Danke fürs Gucken.









Dienstag, 11. November 2014

Erstens kommt es anders, zweitens ...

Hoffen, träumen, versuchen, scheitern, neu versuchen.

Ich habe soooo viele Bewerbungen geschrieben.
Stellen für Musiker sind dünn gesät. Künstlerisch wie pädagogisch.
Entweder wurde ich nicht eingeladen oder erfuhr, dass die Stelle zwar ausgeschrieben, aber intern längst vergeben war. 
Das geht schon ziemlich viele Jahre so. 

Weil das so ist, habe ich ja lange überlegt, wie es nun weitergeht.
Die Sache mit dem Glück - ihr erinnert Euch?

Plan B. Eigentlich ist alles klar. Das läuft.

Beworben auf ausgeschriebene Stellen meiner Branche habe ich mich dennoch. 
Immer wieder.  
Hier konntet ihr lesen von der Vorbereitung zum Auswahlverfahren. 
In der Nähe. Befristet. Nun ja. 

Ich wunderte mich über den wahnsinnigen Aufwand, der zu betreiben war, für diese 2 Semester, aber ich biss mich durch und fragte nicht nach.
Fatalerweise las ich im zugemailten Ablaufplan die Namen der anderen Bewerber und mein Selbstwert-Teufel machte den entscheidenden Fehler: die Konkurrenz googlen! 
Ich war unendlich deprimiert, sah mich lächerlich und scheiternd als kleines Licht neben diesen Fachgrößen.

Schließlich wurde ich krank. Mit Fieber. (Ich fiebere nie!) Angesteckt im Kindergarten
Ich sagte ab, räumte die Bücher zurück ins Regal. Wütend und traurig. Sehr sehr traurig.

Tags darauf kam eine Email vom Professor. Eine hochgeachtete Koryphäe seines Fachgebietes. Er bedauert meine Absage zutiefst und räumte einen Nachholtermin ein, wenn ich wieder genesen bin. 
Wenn. Ich. Wieder. Genesen. Bin?? 

Ich wurde zittrig und konnte nur noch beten.

"Gott, mir wird gerade klar, dass Du echt willst, dass ich dort hinfahre. Ich soll das also machen, ja? Hey, ich bin aber krank. Und unsicher. Und deprimiert.  Wenn ich das machen soll, musst Du mich jetzt gesund machen. Und Du musst mir helfen. Ich kann überhaupt nicht mehr klar denken. Ich bin durcheinander. Ich hab Angst. Scheitern will ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich gut genug bin. Ich schaff das nicht alleine!" 



Die Stunden, die ich eine Woche lang vor dem Rechner verbracht habe, habe ich nicht gezählt, aber es waren VIELE.

Sehr sehr aufgeregt fuhr ich am Mittwoch mit dem Zug in die Stadt, in der ich zuvor noch nie war. Gut 1 Stunde Fahrt mit Umsteigen. 
20 Minuten durch die Fußgängerzone und über den Uni-Campus. Ich nahm einen Zug eher und war viel zu früh da. 

Zwei Stunden lang wurde ich auf Herz und Nieren geprüft, sang vor, unterrichtete Studenten vor ihren eigenen Lehrern und Kommilitonen, hielt zwei kurze Seminare, überstand am Ende das Gespräch mit der Kommission.

Direkt danach telefonierte ich mit meiner besten Freundin, später am Bahnhof mit meiner Schwester und fuhr mit dem Gedanken nach Hause: "Es war nicht schlecht, aber richtig gut fühle ich mich nicht. Luftleer irgendwie."

Dieses Teufelchen in meinem Kopf machte mich kirre. 

Am gleichen Abend schrieb mir der Prof: "Die Kommission hat entschieden, Ihnen den Lehrauftrag [...] anzubieten. Ich [...] würde mich sehr freuen, wenn Sie den Lehrauftrag annehmen."

Bäääm!!!

Und wieder schrie mein Selbstwert-Teufel: "Wie schlecht müssen denn die anderen gewesen sein, wenn DU genommen wurdest?!"

Kein. Einziger. Positiver. Gedanke. 

Wie kann das denn sein? Da schien ich etwas richtig und gut gemacht zu haben und ich kann mich nicht freuen?! Was ist denn los? 
Ich krieg das nicht zusammen. Ich habe andere überzeugt, aber ich bin nicht überzeugt von mir. Was passt denn da schon wieder nicht? Woher kommt dieses Gefühl der Unzulänglichkeit?

Diese Gedanken kamen aus dem Nichts und warfen mich ziemlich aus der Bahn.
Der GDL-Streik, ausgefallene Züge, mit dem geliehenen Auto nach Berlin, mit den Rüben zurück, am Wochenende die neue Schule ansehen - wir hatten ein straffes Programm und ich kam nicht zum Zurechtrücken dieser emotionalen Schieflage.

Ich formulierte im Kopf meine Absage. Das Teufelchen triumphierte. 
Während ich am Sonntagnachmittag meine Fachbücher ins Regal räumte, fiel mir ein ausgedrucktes Blatt als Lesezeichen in einem Buch auf.

An diesem Gedicht blieb ich hängen. Ich las es unzählige Male und es öffnete mir die Augen. 

Mit der Zeit lernst Du,
dass eine Hand halten nicht dasselbe ist
wie eine Seele fesseln
und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet
und Begleitung nicht Sicherheit.

Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen
und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes
und offenen Auges hinzunehmen
mit der Würde des Erwachsenen,
nicht maulend wie ein Kind.

Und Du lernst, all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.

Mit der Zeit erkennst Du,
dass sogar Sonnenschein brennt,
wenn Du zuviel davon abbekommst.

Also bestell Deinen Garten
und schmücke selbst
Dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten,
dass andere Dir Kränze flechten.

Und bedenke,
dass Du wirklich standhalten kannst ...
und wirklich stark bist.
Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.
                                                                                Kelly Priest

Ich begriff!

Noch am Sonntagabend habe ich dem Prof zugesagt. 
Und es stellte sich heraus, dass die Stelle gar nicht befristet ist...
Und dass er persönlich sehr gut fand, was ich ausgearbeitet hatte.

Es gibt Dinge, die kann man nicht planen.
Hoffen, träumen, versuchen, scheitern, neu versuchen. 
Und wenn man einen "Draht nach oben hat", darf man den ruhig auch benutzen. 

Und man darf mutlos sein. Klar darf man.
Aber man darf auch seinen Garten bestellen und seine Seele mit Blumen schmücken.

Ich habe meinen eigenen Wert und kann standhalten. 
Diesen Trübtassengedanken, der Konkurrenz, den Erwartungen und mir selbst.

Ich freue mich über den neuen Job. 
Ich bin stolz auf mich.
Danke Gott! Ohne Dich hätte ich das nicht gepackt!

Freitag, 24. Oktober 2014

Einblicke

In der vergangenen Woche habe ich Einblick genommen in eine fast neue Welt.
Hier beschrieb ich meinen Weg zu einer einschneidenden Entscheidung, an deren Umsetzung ich nun akribisch arbeite. 
Mein erster Weg führte mich in einen Kindergarten. In einen besonderen Kindergarten, denn dessen Leiterin war die ehemalige Kindergärtnerin vom Herzensmann. :)

Wir lernten uns neulich auf dem Gemeindefest kennen. Der Pfarrer, der meine Pläne kannte, setzte uns gleich zu Beginn nebeneinander und wir vertieften uns in ein wunderbares Gespräch.

Wir machten aus, dass ich hospitieren komme und nach und nach die Einrichtungen und Konzepte kennenlerne.
So fuhr ich nun eine Woche lang morgens um 7 Uhr in den Kindergarten, arbeitete mit, lernte die Kinder und 8 warmherzige Kolleginnen kennen, die mir schon am zweiten Tag sagten, es würde sich anfühlen, als wäre ich schon seit Jahren bei ihnen.




Ich erfüllte nur einen Bruchteil der Aufgaben einer Erzieherin, ich führte kein Elterngespräch, machte keine Entwicklungsdokumentation, tauschte keinen Dienst, ging nicht ans Telefon, nahm an keiner Besprechung teil, wechselte keine Windel, blieb mit den Kindern nie allein und bereitete nichts vor und nichts nach.


Dennoch waren es fünf eindrucksvolle Tage, mit 8 kompetenten und sehr gut ausgebildeten Fachleuten, die mir viele Fragen zu diesem hochkomplexen Beruf geduldig und liebevoll beantworteten. Es werden auch noch weitere Hospitanzen in anderen Einrichtungen folgen, aber ich wusste schon am ersten Tag, dass genau dieser Kindergarten mich öfter als nur diese 5 Tage sehen wird.
Nicht zuletzt durch das Angebot, ab sofort die Musikalische Früherziehung zu übernehmen, was ich leider ausschlagen musste, da der Kalender bis Sommer kommenden Jahres bereits randvoll ist.


                                           ********                           

In den letzten Tagen kam der Herbst auch in meinem Kopf an. Bis dahin war es irgendwie immernoch eine Art "Restsommer". Zu warm für das Anschalten der Heizung, aber zu kühl für "nur T-Shirt"-Abende.
Das Wochenende in Hamburg war so warm, dass jede freie Minute draußen und ohne Jacke verbracht werden konnte. 



Noch kein Gedanke an die Kanne Tee auf dem Stövchen, die mit der ersten aufgedrehten Heizung üblicherweise Einzug in die langen Abende findet.

Die Rüben haben gerade Ferien und genießen sie sehr. Vollkommen verpflichtungsfrei. Ich beneide sie. Bald sehen wir uns wieder und bis dahin bekomme ich viele Bilder und Videos geschickt. 




Wenn der kommende Mittwoch vorbei ist mit einem ziemlich wichtigen Termin, dann wird die Nähmaschine entstaubt und die erste Weihnachtsgeschenke-Idee umgesetzt. Ich bin schon gespannt.

Bis dahin aber gibt es viel zu tun und die letzte Stunde des Tages gehört mir und diesen neuen Sehnsüchten:



"Eine der großen Liebesgeschichten unserer Zeit, die schon Hunderttausende Leserinnen begeisterte und stetig neue Leser findet: Die Suche nach ihrem vermissten Vater führt Julia Win von New York nach Kalaw, einem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Dorf. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief ihres Vaters an eine unbekannte Frau hat sie an diesen magischen Ort geführt. Hier findet sie nicht nur einen Bruder, von dem sie nichts wusste, sondern stößt auch auf ein Familiengeheimnis, das ihr Leben für immer verändert." 




Donnerstag, 16. Oktober 2014

Gelee im Glas, Gelee im Kopf

Neulich bekam ich 2,5 Kilo Quitten geschenkt. 
Hinzu kamen letztens noch 1 Kilo Äpfel.
Weil wir nicht genug Gläser hatten, sind der Mann und ich gestern in die Stadt 
und haben noch 3 von diesen schönen Kilner Jars gekauft.

Der Mann hat ja Ferien und hat geschnibbelt, die Frau hat gerührt. 
Super Arbeitsteilung.

Ergebnis:
7 Gläser Quitte-Ingwer-schwarzer Pfeffer-Gelee
4 Gläser Apfel-Limette-Ingwer-Chili-Gelee
Rezepte: frei Schnauze


Das Geleekochen war eine willkommene Unterbrechung 
vom Rechner am Schreibtisch, an dem ich seit Tagen sitze.

Vorbereitung zu einer Bewerbervorstellung. Lehrauftrag.
Befristet auf 2 Semester - passt genau in meinen Plan mit der Ausbildung.

Ich habe Jahre nicht mehr so intensiv theoretisch über Didaktik gebüffelt und viel vergessen, das meiste in den letzten Jahren aus dem Ärmel geschüttelt oder auf fertige Skripte zurückgegriffen.

Zum Glück habe ich noch jeden Zettel aus dem Studium (damals hatte ich noch keinen Computer, geschweige denn Internet oder ein Handy!! Wahnsinn!) und eine Menge Fachbücher im Regal.
Der prüfende Prof ist (Glück? Pech?) ein Crack auf seinem Gebiet, das muss also alles bis ins letzte Detail didaktisch-methodisch PERFEKT vorbereitet sein.

Mein Hirn glüht und fühlt sich zeitweise auch an wie Gelee.
  

Tasse Kaffee und Brötchen mit Apfelgelee hilft jetzt bestimmt.
Lernpause!